Koblenz: Der blaue Gott – in indischen Miniaturen

Mittelrhein Museum Koblenz, 26. Juli – 05. Oktober 2014

In der Welt der Kunst ist die Bedeutung der Farbe Blau ausnehmend vielschichtig. Unter anderem verbindet sich damit in der europäischen Malerei die Vorstellung von Ferne und das Gefühl der Sehnsucht. Keiner anderen Farbe kommt in bildender Kunst und Dichtung eine vergleichbar dominante Rolle zu. Die Blaue Blume von Novalis ist Sinnbild für romantisches Sehnen, ähnlich wie das Blaue Band des Frühling von Eduard Mörike. Ein traumhafter Hauch umgibt den Expressionismus des Blauen Reiters, die monochromen Gemälde von Yves Klein atmen suggestive Kraft. Nach Goethes Farbenlehre gibt es nur zwei reine Farben, Gelb und Blau, wobei das Blau an der Grenze zur Dunkelheit steht, diametral das Gelb an der Grenze zum Licht. Blau soll die Fähigkeit haben, beim Betrachter angenehme Gefühle auszulösen.

Nun hält die Farbe Blau in Form des Hindugottes Krishna Einzug in das Mittelrhein-Museum. Krishna der Blaue Gott, ist der beliebteste Gott Indiens. Er ist die 8. Inkarnation des Gottes Vishnu. Als Inkarnation oder Avatar kommt Vishnu in Tier- oder Menschengestalt auf die Erde, um diese vom Unheil zu befreien und das Gleichgewicht von Gut und Böse herzustellen. Die Avatare Vishnus werden meist mit blauer Körperfarbe dargestellt, der Farbe des Universums, die das höchste Bewußtsein symbolisiert.

In Deutschland wurde der Hindugott Krishna erst im 19. Jahrhundert  bekannt. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert, der 1837 die Sanskrit-Dichtung Gita Govinda (Der Gesang des Kuhhirten) des im 12. Jahrhundert tätigen Dichters Jayadeva ins Deutsche übertrug. Die Gita Govinda beschreibt in zwölf Gesängen die Liebesbeziehung von Krishna mit dem Hirtenmädchen Radha. Diese Liebe hat Dichter und Maler in Indien die Jahrhunderte über zu zahllosen Werken angeregt.

Aus einer bedeutenden Koblenzer Privatsammlung haben nun über 40 Miniaturmalereien den Weg ins Mittelrhein-Museum gefunden, von denen einige auch Illustrationen der Gita Govinda darstellen. Überhaupt bildet Krishna in seiner Rolle als legendärer Liebhaber eines der zentralen Themen dieser Ausstellung. Weiterhin zeigen die Malereien Episoden aus seiner Kindheit und seine Heldentaten. Darüber hinaus sind die verschiedenen Inkarnationen von Krishna sowie dem Gott geweihte Kultbilder zu sehen. Zeitlich spannt sich der Bogen der ausgestellten Miniaturen vom frühen 17. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der sämtliche Exponate ganzseitig abbildet und diese in Einzelkommentaren vorstellt. Für Unterstützung hinsichtlich der Drucklegung des Katalogs danken wir der Ragaputra Edition.

Eintritt 6 EUR/Erm. 4 EUR
Kinder bis 12 Jahre frei

Öffentliche Führung jeden Sonntag um 15.00 Uhr

www.mittelrhein-museum.de

 

 

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