Frankfurt/Main (MMK3): Ausstellung der Fotografin Dayanita Singh

Ausstellung in Frankfurt am Main, MMK3 27.09.2014 – 04.01.2015

Die in Neu-Delhi lebende Künstlerin (*1961) versammelt in ihren mobilen „museum structures“ fotografische Sammlungen der vergangenen 30 Jahre aus ihrem Archiv. Darin ordnet sie ihre Fotografien nach Themen und präsentiert sie in selbst entworfenen hölzernen Strukturen. Mit dieser retrospektiv angelegten Arbeit zieht die Künstlerin eine Art Resümee ihres bisherigen Schaffens. Ebenso wie die Ausstellung von Subodh Gupta steht diese Schau in Zusammenhang mit der Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf außereuropäische Positionen.

Bekannt wurde Dayanita Singh, die sich selbst auch „Book Artist“ nennt, vor allem durch ihre sorgfältig gestalteten Künstlerbücher, die sie von Anbeginn als tragbare Museen betrachtete. Die neueste raumgreifende Präsentationsform der „Photo-Architectures“ ist eine konsequente Fortführung der Buchform. Die hölzernen, vielfach veränderbaren Archivstrukturen beinhalten eine Reihe von 70 bis 140 Schwarzweißfotografien, die von der Künstlerin sorgfältig ediert und in Sequenzen zusammengestellt wurden und schier endlos immer wieder neu geordnet und ergänzt werden können.

Dayanita Singhs Bildwelt ist von einer Lebensform geprägt, in der klassische indische Gesellschafts- und Familientraditionen mit dem modernen Dasein aufeinanderstoßen. Die Balance von eindringlicher Empathie und Distanz kennzeichnet ihre technisch und handwerklich sehr genau gearbeiteten Fotografien, überwiegend in Schwarzweiß. Die Bilder transportieren soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge ihres Heimatlands Indien und finden einfache Übersetzungen für komplexe Konstellationen und Gefühlslagen. Wie in einem traumähnlichen Zustand verschmelzen in ihren fotografischen Essays unzählige Bilder ihrer indischen Vergangenheit mit ihren Wahrnehmungen der Gegenwart. Europäische Musik und Literatur sowie amerikanische Filmgeschichte fließen in ihre Arbeit ebenso ein wie die Menschen, Strukturen und Orte ihres Umfelds in Neu-Delhi. Die Melancholie des Weggehens anstelle des Verweilens zieht sich dabei wie eine Grundstimmung durch alle ihre Bilder.

Die Besucher des MMK 3 sind eingeladen, sich einen individuellen Weg zu bahnen und eine ganz eigene Lesart beim Betrachten der Fotografien zu finden. Es gibt keine Reihenfolge oder museale Hierarchie im klassischen Sinne. Mit diesen Objekten erweitert Singh die Vorstellung vom Umgang mit Fotografie hin zum Skulpturalen und Architektonischen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch das filmische Portrait „Mona and Myself“, das für den Deutschen Beitrag im Französischen Pavillon der 55. Biennale in Venedig entstanden ist und Singhs erstes filmisches Werk ist. Zudem wird es ein von der Künstlerin gestaltetes Künstlerbuch geben, das in enger Zusammenarbeit mit Steidl, Göttingen entstanden ist.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Hayward Gallery in London organisiert und wird im Anschluss an die Präsentation im MMK 3 im Multimedia Art Museum in Moskau gezeigt. Es erscheint ein Künstlerbuch im Steidl Verlag.

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