Elefanten-Alarm auf den Groß-Andamanen Inseln – von Dr. Lydia Icke-Schwalbe

Elefanten_AndamanenWieder einmal – und mittlerweile schon fast täglich, zumindest wöchentlich – wird von Zusammenstößen von Neu- und Umsiedlern in Mittel- und Nordandaman mit streunenden Elefanten, meist angriffslustigen Einzelgängern berichtet. Erst am 27. Juli attackierte ein ausgewachsener Tusker einen Bus, der voller Passagiere auf der Andaman Trunk Road unterwegs war. Danach griff der wütend rasende Elefant einen Baukran an, warf einen weiteren Verkehrsteilnehmer von der Straße und zertrampelte Unterstände an einer Haltestelle am Dschungelrand. Herbei gerufene Forstbeamte feuerten Gewehrschüsse in die Luft und konnten das Tier schließlich in den dichten Wald vertreiben.

Ein weiterer Polizeibericht meldete die Beschädigung von Häusern in der Siedlung Mohanpur; auch hier konnte nur die verantwortliche Forstverwaltung den wütenden Elefanten unter Kontrolle bringen. Ein Forstbeamter, Mitarbeiter des Department of Environment and Forest, wurde getötet, als er versuchte, den Einzelgänger-Elefant, der seit vielen Tagen umhertobte, einzufangen. Die einzige Verbindungsstraße zwischen den Süd- und Nordandamanen-Inseln, die Große Andaman Trunk Road, musste tagelang gesperrt werden, um weitere Menschenleben zu schützen und die Elefanten zu beruhigen zu können. Die Forstverwaltung musste jedoch zustimmen, dass das gefährlich aufgebrachte Tier erschossen werden sollte, sobald es frei gesichtet werde. Das jedoch ist ein lebensgefährliches Unternehmen, es erfordert Ziel- und Treffsicherheit beim ersten Schuss. Ein verletzt entkommenes Tier wird umso gefährlicher – und ein Elefant vergisst nicht!

Der randalierende Elefant ist kein Unbekannter! Der kräftige Bulle trägt sogar einen Namen: Sanjeev Prasad, und er befindet sich wieder einmal in der Musth, einem der Brunft vergleichbaren Zustand, der ihm, vorübergehend, Angriffslust und Ausdauerkräfte verleiht. Bereits 2006 und 2010 hatte „Sanjeev Prasad“ Mitarbeiter des Forstdepartments in Rage getötet.

Auf den Andamanen unterstehen die Elefanten der Forstverwaltung oder sind Eigentum der früheren Plantagenbesitzer. In den 1920er Jahren waren sie als deren Arbeitstiere zum Roden des dichten äquatorialen Regenwaldes auf die Inseln gebracht worden, als das Strafgefangenenlager aufgelöst und die üppigen Tropenhölzer der britisch-kolonialen Nutzung erschlossen werden sollten. Lesen Sie weiter

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