50 Jahre Deutsch-Indische Gesellschaft Bonn – Köln

Der Bundesverband gratuliert!

Prof. Dr. Jürgen Ernst berichtet:
In 2014 feiern wir das 50-jährige Jubiläum der Zweiggesellschaft Bonn/Köln der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V.. Die Aktivitäten der Zweiggesellschaft waren bis in die Anfangsjahre des 21. Jahrhundert stark geprägt vom Umstand, dass Bonn bis 1998 als Hauptstadt der Bundesrepublik und damit auch Sitz der Indischen Botschaft war.
Mit deren Unterstützung konnten soviele erstklassige indische Musik- und Tanzprogramme und Vorträge zum Thema Indien einem großen Kreis von an Indien interessierten Deutschen und hier lebenden Indern präsentiert werden. Bis 2010 waren auch alle 1. Vorsitzenden Mitglieder des Deutschen Bundestags, und auch unser derzeitiger Präsident Dr. Günther Koenig, kommt als Botschafter i.R. aus dem Bund. Seit einigen Jahren finden auch in Köln zunehmend Veranstaltungen statt, wobei insbesondere auf die Indienwoche hinzuweisen ist, wo seit 2009 jährlich im Juni eine volle Woche lang Vorträge und Diskussionen über Indien stattfinden und indische Filme, indische Kunst, Musik und Tanz vorgeführt werden. Ein ausführlicher Bericht über die Highlights der vergangenen 25 Jahre ist in Vorbereitung, die ersten 25 Jahre haben wir bereits 1990 in einer Broschüre vorgestellt, die auch noch in digitaler Form zugänglich gemacht werden soll.

Prof. Dr. Jürgen Ernst und Heinz Niedrig:
Rückblick auf die ersten 25 Jahre Zweiggesellschaft Bonn/Köln

Anfangs war die Zweiggesellschaft Bonn-Köln (gegründet 1964) etwas elitärer ausgerichtet als die anderen Zweiggesellschaften der Deutsch-Indischen Gesellschaft im Bundesgebiet. Dieses war wohl in der Person des damaligen 1. Vorsitzenden Dr. Alexander Werth begründet, der Referatsleiter im Auswärtigen Amt bzw. Referent in der Indienabteilung des früheren Reichsaußenministeriums gewesen war. Heinz Niedrig trat 1968 als Neubonner der Zweiggesellschaft bei und erinnert sich nur an eine reguläre Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen, die patriarchalisch von Dr. Werth geleitet wurde. Während man als Mitglied zu 2 bis 4 Veranstaltungen im Jahr eingeladen wurde, gab es außerdem Treffen eines engeren Zirkels um Dr. Werth. Die Veranstaltungen waren überwiegend politisch ausgerichtet: z.B. gab es Vorträge über Mahatma Gandhi, den indischen Freiheitskämpfer Subash Chandra Bose oder über die junge indische Demokratie. Neben einzelnen Filmabenden fanden andere kulturelle Veranstaltungen nur sehr selten statt. Infolge der Krankheit und des Todes von Dr. Werth erlosch Mitte der Siebziger Jahre faktisch die Gruppe. Dies war umso bedauerlicher, als die Zweiggesellschaft in Bonn als Bundeshauptstadt eine besondere Bedeutung für die Dachgesellschaft in der Bundesrepublik mit Sitz in Stuttgart hatte. Ab 1975 organisierte Heinz Niedrig als kommissarischer Geschäftsführer mit Unterstützung der Bundesgeschäftsstelle die Veranstaltungen. Bald zeigten ach frühere Mitglieder ihr Interesse bei verschiedenen Aktivitäten. Die Mitgliederzahl pendelte sich bei etwa 100 ein, was allerdings nicht ausreichte, um die ersten Film-, Vortrags- und Tanzveranstaltungen über das Jahr ohne Defizite abzuwickeln.

Neuer 1. Vorsitzender wurde im Herbst 1977 der bekannte Bundestagsabgeordnete der CDU, Dr. Werner Marx, meine Stellvertreterin wurde die Abgeordnete Elfriede Eilers von der SPD. Neuer Geschäftsführer wurde Dr. Wolfgang Burr, persönlicher Referent von Dr. Marx. Schatzmeister und stellvertretender Geschäftsführer wurde Heinz Niedrig.

Mit einer Reihe größerer Veranstaltungen wurde die Gruppe zunehmend aktiv. Kontakte wurden geknüpft zur Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe, aus der später auch der SPD-Abgeordnete Georg Schlaga 2. Vorsitzender der Zweiggesellschaft Bonn-Köln wurde, ebenso zur Indischen Botschaft, zur Deutsch-Indischen Handelskammer in Düsseldorf, zur Indisch-Deutschen Gesellschaft in Indien, zum Tagore-Institut in Bonn-Bad Godesberg und ins besondere zur Indo-German Cultural Association (IGCA) in Bonn. Diese diskutierte auf ihrer Mitgliederversammlung am 14.01.1978 ein mögliches Zusammengehen mit der Bonner Gruppe der Deutsch-Indischen Gesellschaft, um die Arbeit durch verstärkte Publikumswirksamkeit und Anbindung an eine größere Organisation zu intensivieren. Man beschloss, die Aktivität der IGCA zunächst für ein Jahr einzustellen. Auf der Mitgliederversammlung der DIG am 25. Januar 1978, auf welcher der bekannte Religionsphilosoph Prof. Gustav Mensching über „Glaube und Leben im alten und modernen Indien“ sprach, wurde Ashok Kachru von der IGCA in den DIG-Vorstand gewählt. Die meisten IGCA-Mitglieder traten danach in die Deutsch-Indische Gesellschaft ein. Am 10.01.1980 löste sich die IGCA  unter dem Vorsitz von Heinrich Hacker (auch DIG-Mitglied) auf, da die überwiegende Mehrheit der Mitglieder  von den besseren Arbeitsmöglichkeiten in der DIG überzeugt war.

Für Dr. Marx (1979 †) wurde auf der Mitgliederversammlung am 18. Juli 1979 Dr. Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein zum Ersten Vorsitzenden gewählt, der damals zugleich Präsident der Deutsch-Indischen Parlamentariergruppe war und in den 50-er Jahren zwei Jahre lang als Arzt in Indien gearbeitet hatte. Neu in den Vortand kamen damals Prof. Dr. Jürgen Ernst als

Geschäftsführer sowie Dr. Amaresh Gupta und Dr. Hem Chandra Jha (2013 †). Alle drei arbeiteten damals an naturwissenschaftlichen Instituten der Universität Bonn, ein Umstand, der in der Folgezeit eine besonders intensive Zusammenarbeit ermöglichte. Highlights der damaligen Zeit waren ein Abend mit der berühmten indischen Tänzerin Sonal Mansingh am 6. März 1980 und vom 22.-29.06.1980  die „Erste Bonner Filmwoche“ im Rahmen des Bonner Sommers mit indischen Spielfilmen.

In Bonn denken viele Mitglieder über die Jahre gerne an mannigfache Einladungen und Empfänge der Indischen Botschaft zurück,  insbesondere an einige Musik- und Tanzveranstaltungen in der Villa Marienforst unter dem Botschafter Prof. Dr. A M. Kusro, eine Tradition, die der gegenwärtige Botschafter A. Madhvan zu unserer großen Freude wieder aufgenommen hat. Auch mit dem Indischen Kulturzentrum, das unter der Leitung von Frau Usha Malik von 1984 bis 1987 versuchsweise in Bonn eingerichtet war, haben wir gemeinsam viele Veranstaltungen durchgeführt oder als mitgeladene Gäste teilgenommen. Es sei hier nur an die Vorstellung von drei Repräsentanten der indischen Gegenwartsliteratur (Ashokamitran, Santosh Kumar Brahma, Nissim Ezekiel) am 15.10.1986 erinnert, die sich nach der Frankfurter Buchmesse auf einer von der DIG organisierten Rundreise durch die Bundesrepublik befanden.

Leider trat Prinz Wittgenstein am 1 Juli 1982 von dem Amt des 1. Vorsitzenden zurück, da er als neu gewählter Präsident des Deutschen Roten Kreuzes dieses Amt nicht mehr wahrnehmen konnte.

Als Großveranstaltung aus der Zeit danach ist das Dhrupad-Mela-Festival (April 1983) im Bonn-Center und das südindische Onamfest am 15.09.1984 zu nennen. Der Erlös wurde der Aktion Sorgenkind zu deren 20-jährigem Bestehen gestiftet, worüber auch das ZDF berichtete.

Es gelang den Mitgliedern erst Ende 1985 wieder, einen geeigneten Kandidaten für den 1. Vorsitz aus dem politischen Bonn zu finden, und zwar in der Person des SPD-Abgeordneten Dr. Klaus Kübler, der seit dem 16. Januar 1986 der Zweiggesellschaft vorsitzt. Seine Stellvertreterin war die  CSU-Abgeordnete Frau Michaela Geiger, die im Juli 1987 von dem CSU-Abgeordneten Peter Höffkes abgelöst wurde. Ihm steht seit 1988, Herr Tarun Bhattacharya aus Köln zur Seite.

Noch kurz zur Geschichte unserer Aktivitäten in Köln: Am 23.03.1980 trafen sich im Domhotel in Köln auf Einladung von Prinz Wittgenstein etwa 50 Mitglieder und Interessenten, um Möglichkeiten zu diskutieren, die Aktivität der Zweiggesellschaft in Köln zu verstärken; damals leider ohne Erfolg. Dies gelang erst im zweiten Anlauf 1987, seitdem mehrere Kölner Mitglieder, insbesondere Herr Megh Nath Sur als stellvertretender Geschäftsführer und Frau Claudia Parmar als stellvertretende Schatzmeisterin zusammen mit Herrn und Frau Oomen und anderen  im Vorstand mitarbeiteten. Viele als „Jour fixe“ bezeichnete Veranstaltungen (Neujahrsfeste, Vorträge ubnd Lichtbilderabende) fanden im Caritas-Zentrum Köln statt, andere im Tobiashaus und im Belgischen Haus.

Noch einige Worte insgesamt zu unseren Programmen der letzten 12 Jahre: Gemeinsam mit der Botschaft der Republik Indien begehen wir seit 1981 jährlich den Indischen Nationalfeiertag am 26. Januar. Wir haben jährlich ein bis zwei klassische Indische Tanz- und Musikabende mit Künstlern von internationalem Rang veranstaltet, in Bonn häufig mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Stadt. Solche namhaften Künstler jedes Jahr

im Rahmen einer bundesweiten Ringveranstaltung gastieren zu lassen, ist nur durch geschickte Planungen des Bundesvorstandes samt der Durchführung durch die Bundesgeschäftsstelle in Stuttgart möglich. Ferner standen Vorträge zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen mit Blick auf Indien wie auch philosophisch-religiöse und medizinische Themen wie z.B. über die indische Heilkunst Ayurveda auf unserem Programm. Gelegentlich konnten wir in Autorenlesungen bekannte indische Schriftsteller und Dichter vorstellen. In den vergangenen Jahren ist es uns auch gelungen, nicht nur klassische indische Filme, z.B. des Regisseurs Satyajit Ray, sondern auch aktuelle Produktionen, neuerdings in Zusammenarbeit mit der Bonner Kinemathek, dem Kino in der Brotfabrik, vorzuführen. Das bunte Spektrum unserer Tätigkeit, mit dem wir uns um die Begegnung von Deutschen mit Indern sowie um die Vermittlung der reichen Kultur des indischen Subkontinents in der Bundeshauptstadt bemühen, wird durch verschiedene Foto- und Gemäldeausstellungen zu indischen Themen abgerundet (u. a. Ladhak-inspirierte Gemälde von Dr. Uli Eltgen in der KKB-Bank, und die Fotoausstellung „Gesichter Indiens“ von Dr. Kregel im Bonner Frauenmuseum).

Die Zunahme der Aktivitäten 1987 führte auch zu einem erheblichen Mitgliederzuwachs im Kölner Raum. Nach Aussagen unserer langjährigen Schatzmeisterin Frau Dr. Kamlesh Jain (1996 †) zählt die Zweiggesellschaft zurzeit etwa 250 Mitglieder, eine Zahl, die wohl nur wenige deutsch-ausländische Gesellschaften aufweisen können. Insgesamt tritt die Zweiggesellschaft seit 1979 jährlich mit etwa 10 bis 15 Veranstaltungen an die Öffentlichkeit.

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